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Alt 21.01.2012, 18:13   #1
whattodo
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Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Hallo zusammen,

Ich möchte mich im Folgenden möglichst kurz fassen, da ich eure Zeit nicht überstrapazieren möchte, aber vor allem etwas schreibfaul bin

Also folgende Situation:
- Ich war Jan-Jun 2010 in Japan
- habe sie (Japanerin) im Mai kenengelernt, allerdings bis zur Rückkehr nach DE nur 3 Mal (2 Tage, 2 Tage, 5 Tage) getroffen.
- Kurz zu mir und ihr. Ich war zu der Zeit 20 und Student, sie 28 (hat man ihr nicht angesehen) und arbeitend (IT-Spezialistin)
- Nach Rückkehr nach DE haben wir weiter wöchentlich Kontakt gehalten
- Sie hat mich im November '10 zum ersten Mal in DE besucht für 1 Woche
- Über Xmas/Neujahr '10/'11 habe ich sie besucht für 2 Wochen
- Sie mich im Mai '11 für 9 Tage
- Sie überlegt evtl. ein Auslandsjahr in DE zu machen, frühestens Sommer '12 und fängt an Deutsch zu lernen (davor Kommunikation weitestgehend Japanisch & bisschen Englisch)
- Ich sie Aug/Sep '11 für 3 Wochen
- Sie mich über Neujahr '11/'12 für 10 Tage
- Jeder der Besuche vor dem über Neujahr '11/'12 hatte natürlich seine Höhen und Tiefen, alles in allem war es jedoch sehr positiv für uns beide.
- Beim letzten Mal wurde zusehends klar, dass sie mit der Gesamtsituation nicht mehr zufrieden war, was damit zusammen hing, dass ihr bis dato gelerntes Deutsch nicht so gut war wie erwartet und ihr die Perspektive ab Sommer '12 nach DE zu kommen Angst zu machen schien => Angst im Alltag nicht zurecht zu kommen. Weiterhin hat sie sich bei Treffen mit meiner Famile und mit Freunden sehr unwohl gefühlt, obwohl sie diese Treffen vorher selber wollte. Daran konnte ich trotz vielen Gesprächen wenig ändern und wirklich gut erklären konnte/wollte sie mir ihr Problem auch nicht
- Seit ihrer Rückkehr nach Japan wirkt sie zusehends gestresst (scheinbar teilweise durch Stress von der Arbeit bedingt) und weint teilweise während wir skypen. Ich bin mir aber sicher, dass sie sich auch Sorgen um unsere Beziehung macht, die ihr denke ich schon viel bedeutet.

Soweit die große Situation. Wenn ihr mehr braucht, einfach fragen

Ergänzend zu ihrem Plan nach DE zu kommen, muss ich noch hinzufügen, dass es für sie bedeutet ihren aktuellen Job zu kündigen. Sie meint zwar, dass ihr der Job sowieso weniger Spaß macht und glaubt auch nach einem Auslandsjahr leicht einen neuen Job zu finden, allerdings denke ich schon, dass sie das belastet.

Was meine eigene Einschätzung betrifft, muss ich mittlerweile sagen, dass ich es bei ihrer aktuellen mentalen Lage für keine gute Idee halte, dass sie nach DE kommt.
Grund dafür ist, dass es vermutlich darauf hinauslaufen würde, dass ich sie vermutlich wirklich bei allem unterstützen müsste, wozu ich studiumsbedingt einfach nicht die Zeit haben werde. Außerdem bezweifle ich sehr, dass sie unter den Umständen ihren Aufenthalt überhaupt genießen könnte.

Käme sie nicht bzw. selbst wenn sie käme, aber durchgehend zu "schlecht drauf" wäre (versteht mich nicht falsch: Ich würde sie dann auch gerne unterstützen und für sie da sein, allerdings nicht, wenn sich das dann nur noch auf psychische & phsysische Unterstützung reduziert), würde das für mich aber bedeuten die Beziehung zu beenden, da ich die Fernbeziehung mittlerweile auch nicht mehr als so erfüllend betrachte. Und nicht zu vergessen geht das ständige Hin- und Hergefliege auch ziemlich ins Geld. Bis jetzt war das aufgrund größerer Ersparnisse möglich, allerdings sind diese auch bald aufgebraucht. Das wäre dann ein rein faktischer Trennungsgrund.

Ein weiterer Punkt ist unser Altersunterschied. Ich bin jetzt 22 und sie wird im Mai 30.
Ich halte es also für möglich (auch wenn sie das abgestritten hat), dass sie die Beziehung doch sehr ernst nimmt, wobei ich mir einfach nicht sicher bin, ob ich ihr im Gegenzug das selbe (Überspitzt ausgedrückt: In 5 Jahren Heiraten/Kinder/blablub) vermitteln möchte/kann. Was ich allerdings allein dadurch, dass ich mit ihr nach einer so langen Fernbeziehungszeit immer noch zusammen bin, möglicherweise tue.
Und würde sie nach DE kommen, würde sie eben zunächst einmal ihr komplettes jetztiges Leben aufgeben für (vllt) etwas, wo ich mir unsicher bin, ob ich es ihr überhaupt geben kann und möchte.

Worauf will ich eigentlich hinaus?
Ich habe meine Zeit mit ihr sehr genossen, allerdings frage ich mich mehr und mehr ob das so weiter funktioniert, wegen
A) Ihrer mentalen/emotionalen Lage im Augenblick
B) Fernbeziehung generell
C) Finanzierbarkeit der Fernbeziehung -> Fernbeziehung hat von meiner Seite ein Ablaufdatum, s. Bankkonto
D) Meiner mir selbst unklaren langfristige Bindungsambition

Ich bitte euch hiermit einfach mal um ein paar externe Einschätzungen/vllt Ratschläge/usw.
Wenn ihr noch Fragen habt, dann immer her damit

Danke euch schonmal!
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Alt 21.01.2012, 20:29   #2
kathrin007
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Hi whattodo

also, so eine Fernbeziehung noch dazu mit so großen kulturellen Unterschieden ist schon sehr belastend.
Ihr habt es über einen langen Zeitraum ausgehalten und nun heißt es hopp oder topp. Und das scheint euch beiden Angst zu machen.
Sowohl dir, weil du Angst hast, dich dauernd komplett um sie kümmern zu müssen. Und ihr auch, weil sie ihren Job aufgibt und ihre Heimat und sich im Kreis deiner Familie nicht wohl fühlt.

Vergiss nicht, wenn sie nach Deutschland kommt, bist du der einzige, der ihr Halt gibt, solange bis sie evtl. einen Job gefunden hat. D.h. eine gewisse Verantwortung hast du da schon, aus der du auch nicht rauskommen würdest, finde ich.

Es klingt bei dir durch, dass deine Gefühle für sie sehr nachgelassen haben. Du listest auf, wann wer wen wie lange besucht hat, schreibst aber mit keinem Wort, dass sie dir was bedeutet hat, dass du sich in sie verliebt hast oder sie gar liebst. Nichts, Null Emotionen. Statt dessen: mein Bankkonto gibt keine weiteren Kontakte mehr her...

Klar, geht das ins Geld, aber als ihr euch aufeinander eingelassen habt, war euch ja wohl klar, dass es so kommen wird. Und zunächst war es euch wohl auch noch wichtig.

Also, auch wenn es weh tut und auch wenn es ihr weh tut: dass sie unter diesen Umständen nach Deutschland kommt halte ich für eine äußerst schlechte Idee. Und nachdem du in meinen Augen innerlich schon den Schluss-Strich gezogen hast, musst du jetzt auch ehrlich genug sein und ihr das klar machen, dass du nicht mehr willst.
So einfach ist das
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Alt 21.01.2012, 20:46   #3
whattodo
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Hi Kathrin,

Auf Gefühle einzugehen, hatte ich dann wohl vergessen ^^
Grund dafür war aber auch, dass Gefühle hin oder her, gefühlsunabhängige Sachen eine große Rolle beim jetztigen Denkprozess spielen. Eben Sachen wie Geld (-> Reise & Aufenthalt nach/in Japan) und langfristige Planung.

Zunächst mal: Ich habe sie definitiv geliebt und sie war auch die Erste, die bei mir gefühlsmäßig etwas "Großes" ausgelöst hat, das definitiv auch noch da ist. Unsicher bin ich mir halt, ob es noch genug ist.

Was das Nachlassen der Gefühle betrifft, hast du aber vermutlich nicht ganz unrecht, wobei genau das eben ein Punkt ist, bei dem ich mir sehr unsicher bin.
Als sie über Neujahr da war, hatte ich mich sehr darauf gefreut und es hat auch sehr gut angefangen und ich habe die Zeit sehr genossen. Allerdings kamen dann recht bald die ersten teilweise doch harten Probleme, wie als wir meine Famile besucht haben (was sie auch wollte). Dort hat sie dann nach ca. 6h (also nach dem ersten Abend) festgestellt, dass es sie auf einmal unglaublich belastet, dass die Leute Deutsch und für sie auch Englisch sprechen, aber sie halt nicht alles verstanden hat.
Übrigens bin ich selbst Halbjapaner, d.h. sie hatte auch die Möglichkeit sich innerhalb meiner Famile mit meiner Mutter auf Japanisch auszutauschen. Das hat sie aber nicht gemacht, ob aus Schüchternheit oder anderen Gründen weiß ich selbst nicht genau.
Ähnliche Situationen wie bei der Familie gab es bei einem Treffen mit Freunden von mir, was mich dann auch sehr belastet hat, da es immer Situationen waren, bei denen ich vorher mit ihr darüber gesprochen hatte und sie das (zumindest ihrer Aussage nach) auch wollte (sie meinte mehrfach, dass es ihr wichtig wäre mein Leben, also auch meine Freunde - ihre Worte - kennenzulernen), aber dann vllt 2h vorher herauskam, dass sie es vllt doch nicht mehr will.

Den Schlussstrich habe ich definitiv noch nicht gezogen.
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Alt 21.01.2012, 21:03   #4
kathrin007
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Wenn du mal weiter davon ausgehst, dass sie nach Deutschland kommt - ist da nur Angst vor der großen Verantwortung da und dass du dann "erstmal" nicht so einfach Schluss machen kannst?
Oder freust du dich auch auf sie?

Du hast Angst davor, dass sie mehr will. Sie hat aber gesagt, dass dem nicht so ist. Klar hast du trotzdem Angst, weil bei ihr irgendwann die biologische Uhr ticken wird. Aber das wäre ja schon noch etwas hin...

Warum lässt du es nicht auf dich zukommen?

Gut, sie hat deine Familie kennengelernt und deine Freunde. Sie will an deinem Leben teilhaben, hat aber gleichzeitig Angst davor... warum? Hat sie vielleicht Angst, dass sie bei deinen Leuten nicht gut ankommt? Und dass irgendwann dann über dich sich negativ auf eure Beziehung auswirkt?

Ich denke mal, da spielt sicher vieles eine Rolle.

Fakt ist: wenn sie herkommt, bist du zunächst mal in der Verantwortung. NIcht auf ewig, sie ist ein erwachsener Mensch und wird irgendwann auch alleine klarkommen, aber zunächst bist du ihr "Guide".
Wenn du ihr sagst, dass sie nicht kommen soll... wie wird sie das auffassen? Wird das das Ende sein? Weil ihr euch dann - auch aus finanziellen Gründen - nicht mehr in persona sehen könnt?

Nun, es gilt: hopp oder topp.
Du musst abwägen, es ist dein Leben...
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Alt 21.01.2012, 21:41   #5
whattodo
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Hmm ob ich mich freue ist grade echt schwer zu sagen.

Vor ihrem Besuch vor 2 Wochen hätte ich ganz klar mit ja geantwortet und wäre mir auch ziemlich sicher, dass sie das packen würde. Sie ist an sich ein sehr lebensfroher Mensch und auch offen gegenüber anderen.
Leider hat sie eben auch die sehr stark leistungsorientierte Seite, dass sie sehr viel von sich selbst fordert und eine Sache (wie z.B. Gesprächsverständnis) mal nur zu - sagen wir 30-50% zu - schaffen, macht sie unglücklich.
Ich denke der große Unterschied von ihrem letzten Besuch war auch die Art ihrer letzten Reise.
Während sie davor immer als Touristin in DE war mit entsprechend viel Tourikram, Hotels usw hat sie eben beim letzten Mal mehr vom tatsächlichen Leben mitbekommen, d.h. mehr von meiner Famile, Freunden und einfach dem Alltag. Es war für sie also schon ein wenig "Leben in DE - light"
Allerdings haben die 10 Tage, in denen sie da war, doch einiges geändert. Sie wirkte - obwohl sie ja nur für begrenzte Zeit in DE war und der Alltag schon von mir geschmissen wurde - leicht überfordert und nach Phasen mit Kontakt zu Famile/Freunden sogar psychisch wirklich überfordert, z.B. hat sie 2 Gelegenheiten tatsächlich losgeheult und konnte dann selbst nicht so genau sagen, was eigentlich das Problem war. Außer dass es sie eben mehr forderte als sie selbst erwartet hatte.
Und diese 10 Tage waren dadurch auch sehr anstrengend für mich. Ich kam mir teilweise echt als Mix aus Entertainer/Guide/Freund/seelischer Mülleimer vor.
Dass das zu einer Beziehung gehört ist klar, allerdings nicht auf Dauer. Und ich bin mir da einfach nicht sicher (sie sich übrigens auch nicht), ob sie sich dabei nach ner Woche fängt oder nicht.

Aus diesem Grund muss ich jetzt schon ganz klar zugeben, dass mir die große Verantwortung doch etwas Angst macht, weil es dann ja wirklich Ernstfall wäre ohne Abreisedatum 7 Tage später - für uns beide ^^

Zitat:
Sie will an deinem Leben teilhaben, hat aber gleichzeitig Angst davor... warum? Hat sie vielleicht Angst, dass sie bei deinen Leuten nicht gut ankommt? Und dass irgendwann dann über dich sich negativ auf eure Beziehung auswirkt?
Das spielt definitiv eine Rolle. Wir haben auch darüber geredet und ich mir 100% sicher, dass keiner meiner Freunde erwartet, dass sie direkt fließend Deutsch spricht und sie sind halt mehr oder weniger an ihr interessiert. Ablehnend ist aber imo keiner bzw. soviele Leute hat sie eigentlich sowieso nicht kennengelernt.

Würde sie nicht kommen (unabhängig ob eigene Entscheidung oder Einfluss von mir), wäre das vermutlich das Ende, da ich mir eine Fernbeziehung über noch längere Zeit eigentlich nicht mehr vorstellen kann.
Sie ist an sich jemand sehr Besonderes für mich, aber das Gefühl, dass eine Fernbeziehung nicht ewig für mich funktionieren wird, habe ich schon länger (unabhängig von Geld).

Wie sie es auffassen wird, weiß ich nicht genau. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie im Moment über ähnliche Themen nachdenkt. Sie meinte auch schon, dass sie zur Zeit nicht sicher ist, ob sie sich DE zutraut.

...naja alles nicht ganz einfach.

Aber was meinst du eig hiermit:

Zitat:
Du musst abwägen, es ist dein Leben
Ich erwarte hier sicher nicht, dass mir jemand sagen kann "Mach dies oder das".
Das ich letztendlich entscheiden muss, ist klar.
Der Sinn mich hier anzumelden, lag mehr darin, von in diese Richtung sensibilisierten Leuten mal ein paar Fremdmeinungen und -einschätzungen zu bekommen.
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Alt 21.01.2012, 21:53   #6
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Der letzte Satz war nicht so dramatisch gemeint... nur als Abschluss...

Wenn sie so perfektionistisch ist mit der Sprache etc., da würde ich mir keine Gedanken machen, denn ich glaube, dass es sehr schnell geht, wenn man in dem Land lebt und dann auch interessiert alles aufnimmt. Ich denke, dass sie nach ein paar Wochen, spätestens Monaten dann sehr gut mit der Sprache klar käme...

Was mich mehr interessieren würde, denn du kennst ja beide Kulturen evtl. besser als sie: wie groß ist der Unterschied wirklich? Ich kann mir schon vorstellen, allerdings weiß ich nicht, ob das eher ein Klischee ist, dass die Japaner ganz anders miteinander umgehen, als wir Deutschen untereinander. Und dass sie evtl. auf Dauer damit Probleme haben könnte? Dass Familie in Japan einen sehr hohen Stellenwert hat und es da auch viele Traditionen gibt, die sie hier nicht wiederfinden wird??? Keine Ahnung, aber für sie ist es schon ein enormer Schritt.

Abgesehen davon, wenn sie gut ist als IT-Spezialistin, wird sie hier locker einen Job finden...
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Alt 21.01.2012, 22:12   #7
whattodo
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Zum Kulturunterschied.
Ich denke riesige Kulturunterschiede gibt es heutzutage eigentlich nicht mehr. Japan wurde über die letzten Jahrzehnte doch sehr amerikanisiert und gleichzeitig sind junge Japaner oft sehr interessiert an westlicher Kultur, sodass es keine super krassen Kulturschöcke geben sollte.

Umgang:
Was Umgang angeht, wobei mein Wissen da auch begrenzt ist:
Japaner sind meiner Meinung nach allgemein zunächst viel reservierter gegenüber Fremden und man berührt sich Allgemein viel weniger.
So war sie bspw. wohl doch etwas überrascht (ihrer Aussage nach jedoch positiv) zum Abschied von Freunden von mir, die sie zum ersten Mal getroffen hat, direkt umarmt zu werden.
Dass zwischenmenschlicher Umgang also eine große Umstellung für sie werden würde, da bin ich mir sicher.

Traditionen:
Ihr Famile ist glaube ich nicht so traditionell, allerdings hat sie dabei natürlich auch eine Umstellung, da in Japan dann doch andere Feste gefeiert werden als in DE, wobei die Unterschiede dann doch wieder nicht so riesig sind:
So kann deutsches Weihnachten mit japanischem Neujahr in puncto Familienfest & Geschenktradition definitiv miteinader verglichen werden.

Job.
Dass sie vom Know-how einen Job hier finden könnte, denke ich schon, allerdings hat sie eher im direkten Kontakt mit Kunden gearbeitet, d.h. dafür bräuchte sie hier auch ein entsprechend hohes Sprachniveau, was vermutlich mehr als ein Jahr dauern wird.
Weiterhin ist ihr Englischniveau ebenfalls eher niedrig, sodass sie was Arbeiten angeht, wohl erstmal etwas nicht ganz so Anspruchsvolles und entsprechend Bezahltes machen müsste.

Zitat:
Wenn sie so perfektionistisch ist mit der Sprache etc., da würde ich mir keine Gedanken machen, denn ich glaube, dass es sehr schnell geht, wenn man in dem Land lebt und dann auch interessiert alles aufnimmt. Ich denke, dass sie nach ein paar Wochen, spätestens Monaten dann sehr gut mit der Sprache klar käme...
An sich ja, wenn sie sich allerdings, wie es in den 10 Tagen über Neujahr war, so davor fürchtet/überfordert ist, wird das wohl nicht funktionieren.
Auch denke ich, dass du das zeitlich unterschätzt. Ich habe in meiner Zeit in Japan täglich eine Sprachschule besucht und würde schon sagen, dass man um gut zu sprechen schon ein halbes Jahr braucht...und dann ist man immer noch bei Alltagssprache, also noch weit vom Niveau eines Menschen, der gut bezahlt Arbeiten will, entfernt.
Gleichzeitig ist Deutsch weitaus schwerer als Japanisch, was Grammatik usw angeht.
Ich denke, dass kann man einfach nicht damit vergleichen, dass ein junger Deutscher, der in der Schulzeit eigentlich schon genug Englisch zum Sprechen gelernt hat, in ein fremdes englischsprachiges Land z.B. für Work & Travel nach AUS geht und sich dort innerhalt von Wochen zurecht findet.
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Alt 21.01.2012, 22:53   #8
Tomek
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Hallo Whattodo,
ohne sich jetzt in die Details zu verwickeln muss ich dir sagen,
dass die ganze Situation auf mich ziemlich hoffnungslos wirkt.
Fernbeziehung, fremde Kultur, sprachliche Schwierigkeiten…
Ich meine, Liebe kennt zwar keine Grenzen, trotzdem funktioniert sie besser, wenn gewisse Rahmenbedingungen erfüllt sind.
Ich habe das Gefühl dass die Situation dich selbst und deine japanische Freundin einfach überfördert.
Ich bin selbst vor Jahren nach Deutschland ausgewandert und ich weiß, dass man die Sprache nur beherrschen kann, wenn man sich innerlich mit dem Land und den Leuten identifizieren kann.
Deine Freundin steht unter Druck, eigentlich möchte sie in Japan bleiben und dich bei sich haben. Der Aufenthalt in Deutschland wäre
von ihr nur dir zu liebe akzeptiert, als Basis für gewisse Integration und Sprachbeherrschung ist es aus meiner Sicht zu wenig.
Whattodo, so wie du selbst die Situation beschreibst (ziemlich trocken für einen verliebten Mensch) bekommt man den Eindruck dass die Entscheidung schon gefallen ist.
Gruß
Tomek
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Alt 22.01.2012, 11:34   #9
de facto
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AW: Fernbeziehung - Freundin dreht durch - eigene Zweifel

Ich kann meinen Vorredner nur Recht geben, Kathrin hat viel gute Argumente gegeben die dir sicherlich hier und da ein paar Denkanstöße waren. Auch bei mir bleibt der Eindruck hängen das die Entscheidung schon gefallen ist, klar unterstellt dir das keiner du kommst hier zu uns um das Problem zu erläutern und Hilfe zu erhalten. Was ich gern noch mitgeben möchte ist vielleicht ein kleiner Einblick in ihren Kopf. Du darfst nicht vergessen, sie verlässt alles Gewohnte und stürzt sich in eine völlig neue Umgebung, es ist ein regelrechter Lebenstausch bei dem sie berechtigt Ängste und Zweifel hat. Es wundert mich nicht, dass sie Anschluss auch an deine Familie und Freunde finden möchte, denn schau mal in der ersten Zeit wird sie hier wohl kaum andere Leute kennenlernen und wie wir wissen, kann der Deutsche zumindest in verschieden Regionen sehr grummelig sein. Selbst wenn sie offen aufgenommen wird, werden sie bei ihrer Perfektion ihre sprachlichen Hindernisse sicherlich schmerzlich zu schaffen machen, was zusätzlich die Situation erschwert. Wie Kathrin schon sagt, in der ersten Zeit bist du ihr Guide und natürlich ist das eine unglaubliche Verantwortung. Du sagst vom Wesen her ist sie fröhlich und aufgeschlossen, das ist schon mal ein guter Start für den Weg in die Fremde aber es ist auch nachvollziehbar wenn die Verzweiflung und das Gefühl allein zu sein einen furchtbar runterzieht, in diesen Zeiten wird sie auf dich, deine Schulter und deine Stärke hoffen und mir drängt sich der Eindruck auf, dass sie instinktiv fühlt, dass du dir auch nicht sicher bist ob du ihr das immer geben kannst. Daher auch ihre Tränen. Im Prinzip bist du verdammt unsicher und sie auch, ihr seid beide rational denkende Menschen und stellt fest, die Basis ist denkbar ungünstig, höchstwahrscheinlich weil das Gefühlsleben nicht mehr genug Reserven hergibt um zu sagen, hey das schaffen wir zusammen das stehen wir durch. Eine Möglichkeit wäre den ganzen Plan aufs Eis zu legen und zu schauen, ob die Zeit das Bedürfnis mit sich bringt, sich wiederzusehen, sich zu lieben, das Vorhaben doch anzupacken weil man dann feststellt, dass doch mehr Gefühle da sind. Diese können eben auch mal schwinden wenn man so sehr mit logistischen Kraftakten wie Planung, Unterkunft, Flügen und versiegenden Geldbeuteln beschäftigt ist.
__________________
Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand.
de facto ist offline   Mit Zitat antworten
Folgender Benutzer sagt Danke zu de facto für den nützlichen Beitrag:
Tomek (22.01.2012)
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