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Alt 20.07.2009, 12:09   #1
Tuckerzoertchen
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Ich verliere meinen Partner

Ich bin 35 und kerngesund. Mein Freund ist 42, seit 1998 an HIV erkrankt, hat Hepatitis A und C ausgestanden, 2000 einen Herzinfarkt überlebt, ist seit Dezember 2008 an Lungenkrebs erkrankt und hatte vor zweieinhalb Wochen einen Schlaganfall. Seitdem ist er linksseitig gelähmt.

Obwohl der Notarzt rechtzeitig informiert wurde und er umgehend ins Krankenhaus kam, wurde er - nach allem, was ich mittlerweile über Schlaganfälle weiß - nicht richtig bzw. nicht ausreichend behandelt. In den letzten beiden Wochen kamen noch diverse Verwaltungs- und Untersuchungsfehler hinzu, so dass mein geliebter Schatz nicht mehr rehafähig ist. Er wiegt noch 48 kg bei einer Größe von 1,89 m. Er will nicht im Krankenhaus sterben, sondern bei mir zu Hause. Heute hat er den Ärzten mitgeteilt, dass er jede weitere Behandlung ablehnt.

Er wird heute zu seinem besten Freund nach Hause gehen, da ich vollzeit arbeite, sein bester Freund hingegen Frührentner ist und entsprechend den ganzen Tag Zeit hat. Freitags werde ich von zu Hause aus arbeiten, so dass er donnerstags zu mir kommt und über's Wochenende bleibt.

Er ist ein Vollpflegefall und wird bald auch entsprechend eingestuft.

Sein größter Wunsch ist es, endlich wieder mit mir in einem Bett zu schlafen.

Ich glaube, jetzt, wo er die Gewissheit hat, dass ich bereit bin, loszulassen, fällt eine unglaubliche Last von seinen Schultern. Niemand weiß, wie lange er noch haben wird. Ich werde mein Bestes geben, um ihm diese Zeit so angenehm, schmerz- und sorgenfrei wie möglich zu machen und versuchen, meine Traurigkeit nicht zu sehr nach außen zu tragen, meine Wut über die Ungerechtigkeit, die ihm in seinem ganzen Leben widerfahren ist, im Zaum zu halten und nicht zu sehr darüber nachzudenken, dass wir zusammenziehen und heiraten wollten.
Vielleicht heiraten wir ja trotzdem noch. Mal schauen.

Wenn ich denn mal aufhören kann zu weinen...
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Alt 20.07.2009, 12:42   #2
frenzen
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AW: Ich verliere meinen Partner

Es ist furchtbar traurig.

Ich denke, Du suchst jetzt nicht nach Rat; ich könnte Dir auch gar keinen geben. Ich wünsche Dir und Deinem Partner viel Mut und Kraft, und dass ihr die verbleibende Zeit so positiv und gut ausfüllen könnt, wie es nur möglich ist.
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Tuckerzoertchen (20.07.2009)
Alt 20.07.2009, 13:00   #3
Tuckerzoertchen
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AW: Ich verliere meinen Partner

Nein, ich suche nicht nach Rat... Es gibt einfach keinen Rat in dieser Situation. Ich mußte es nur mal rauslassen.

Danke für Deine lieben Worte.
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Alt 20.07.2009, 13:46   #4
fidelio84
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AW: Ich verliere meinen Partner

Oh mann. Das tut mir so unendlich leid für dich. Ich kann mir nichtmal ansatzweise vorstellen, wie dir zumute sein muss. Ich hoffe sehr, dass ihr beide euch eine relativ schöne restliche Zeit machen könnt.
Und ganz im Ernst: Dein Mann kann sich glücklich schätzen, dass er eine Frau wie dich an seiner Seite hat. Du bist so stark und an jedem deiner Worte kann man erkennen, wie viel er dir bedeutet.
Euch beiden viel Kraft...
__________________
"Und, wie lauten deine Sünden, mein Sohn?"
"Ach, Padre, ich will Sie nicht die ganze Nacht wach halten. Darum erzähle ich Ihnen nur, was zuletzt so passiert ist..."
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Alt 20.07.2009, 14:12   #5
Nachkriegsjugend
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AW: Ich verliere meinen Partner

Ich denke, dein Liebster schätzt sich sehr sehr glücklich, eine Frau wie dich zu haben. Es ist einfach der Wahnsinn, was du für ihn durchmachst und auf dich nimmst. Viele hätten dazu gar keine Kraft.
Es tut mir so Leid, was ihr beide erleiden müsst und ich wünsche euch alle nur erdenkliche Kraft und ihm alles alles Gute.

Du bist so tapfer...!
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Alt 20.07.2009, 14:26   #6
Tuckerzoertchen
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AW: Ich verliere meinen Partner

Aber sollte das nicht selbstverständlich sein für einen Menschen, den man liebt?
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sarahmarah (20.07.2009)
Alt 20.07.2009, 16:00   #7
sarahmarah
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AW: Ich verliere meinen Partner

Ja, es sollte selbstverständlich sein.. und viele wollten dies bestimmt auch!
Aber nicht alles sind stark genug, so eine Extrem-Situation durchzustehen.. Du hast ja in den letzten Monaten immer wieder auf so eine Situation hingedeutet und dich wohl auch schon emotional gewappnet.. Für den eigentlichen Moment, wo alles über einen hereinbricht ist mal allerdings nie gewappnet.
Ich habe gottseidank noch keinen Freund verloren, aber meine beste Freundin, mit der ich aufgewachsen bin ist an Krebs gestorben. Sie war 24 und hatte seit wir 14 waren Hautkrebs. Wir wussten immer, dass es irgendwann soweit sein kann. Aber irgendwie steht man dann doch sprachlose vor dem Schicksal, wenn es dann wirklich soweit ist..

Ich wünsche die und deinem Schatz alle Kraft, die ihr jetzt braucht und viel viel Liebe!

Alls Gute!
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Tuckerzoertchen (20.07.2009)
Alt 20.07.2009, 21:48   #8
Tuckerzoertchen
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AW: Ich verliere meinen Partner

Wappnen kann man sich nicht; ich zumindest kann das nicht. Es gibt immer wieder Momente, in denen ich das Gefühl habe, nicht mehr zu können, in denen ich einfach nur weinend alles hinschmeißen will, weil es für mich unerträglich ist, ihn so verzweifelt und so leiden zu sehen.

Aber er schöpft immer wieder Kraft und Trost aus meiner Liebe. Und Gott sei Dank habe ich davon reichlich. Und er auch. Ohne seine Liebe würde ich genausowenig durchhalten wie er ohne meine.

In den letzten Tagen wurde ein abgedroschener Spruch zu unserem Credo: Für die Welt bist Du irgendjemand; für irgendjemand bist Du die Welt.
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Alt 20.07.2009, 22:00   #9
fidelio84
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AW: Ich verliere meinen Partner

Ich war immer davon überzeugt, dass es ein gewisses Gleichgewicht gibt, eine natürliche Gerechtigkeit...aber wenn zwei Menschen, die sich so lieben wie ihr, auf diese Art auseinander gerissen werden, frage ich mich, wo da die Gerechtigkeit ist...es trifft immer die falschen....
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Alt 20.07.2009, 23:03   #10
Tuckerzoertchen
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AW: Ich verliere meinen Partner

Gerecht ist es nicht und ich weiß nicht, wie oft ich meinen Zorn über diese Ungerechtigkeit schon herausgeschrieen habe und Gott beschimpft habe.
Mein Schatz hat in seinem Leben so viele schlimme Dinge erfahren, die ich jetzt hier gar nicht ausbreiten will. Er hat all dies überstanden mit zerschundener Seele und gezeichnetem Körper. Jetzt hat er endlich das gefunden, was man Liebe nennt. Selbstlose, aufrichtige Liebe, an die er nicht mehr geglaubt hat. Mehr als einmal schon hat er mich fassungslos angeschaut und mich gefragt, warum ich ihn nicht verlasse, er wäre ja schließlich nur eine Belastung für mich und ohne ihn wäre ich besser dran. Er fragt sich, wieso er die ganze Scheiße in seinem Leben überstanden hat und jetzt, wo es endlich anfing, gut zu werden, dem Tod geweiht ist.

Ich weiß es nicht... Die einzige Erklärung, die ich irgendwie positiv deuten kann ist, dass ihm wenigstens noch eine schöne Zeit vergönnt war/ist.

Da liegt er heute im Bett bei seinem besten Freund, der sich wirklich ganz toll um ihn kümmert, wenn ich nicht da bin, ist so dünn und schwach, wie ich es vorher nur aus Filmen über KZ-Häftlinge und hungernde Kinder in Äthiopien gesehen habe und sagt mir mit Tränen in den Augen, dass er glücklich ist, weil er endlich aus dem Krankenhaus raus ist und weil ich da bin.

Wie könnte ich ihn denn als Belastung empfinden? Die Situation ja, aber ihn doch nicht! Ich wünschte so sehr, ich könnte ihm sein Leid abnehmen. Aber das kann ich nicht. Ich weiß, dass es völlig irrational ist, aber ich ärgere mich über meine Machtlosigkeit.
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