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AW: Jüngere oder gleichaltrige Freundin?
Ein bisschen am Rande habe ich zum Thema Kommunikation noch eine Geschichte aus einem aktuellen Roman. Sie ist ein bisschen länger...
Die Geschichte spielt zur Zeit der britischen Kolonialzeit. Ein kleines Mädchen befindet sich auf langer Seereise und wird von einem Tsunami mit ihrem Schiff als letzte Überlebende auf eine kleine Südseeinsel gespült. Dort beobachtet sie unentdeckt den einzigen Überlebenden der Insel: einen kleinen Jungen, der versucht, mit den Verwüstungen der Flutwelle umzugehen.
Der Etikette folgend weiss sie, dass sie den Jungen nicht einfach so treffen kann. Auf die Anstandsdame muss sie zwangsläufig verzichten, aber eine formale Einladung mit einer Einladungskarte muss natürlich sein. Wie aber soll sie vorgehen, der Junge kann ja mit großer Wahrscheinlichkeit weder lesen noch schreiben?
Sie füllt also die Vorderseite der Karte so gut es geht aus. Ort: auf dem Schiffswrack. Kleidung: ja, bitte! Uhrzeit: mittags. Auf die Rückseite der Karte kommt die eigentliche Botschaft. Sie malt ihr Schiff (Sonne, Insel und das nun darauf liegende Boot), den Jungen (Strichmännchen) und einen Richtungspfeil vom Jungen zum Boot. Sie hofft, dass der Junge versteht, dass er zum Schiff kommen soll. Dann bringt sie ihm heimlich die Karte und wartet im Wrack.
Der Junge hatte das Mädchen natürlich doch schon entdeckt. Als er die Karte findet, hat er auch keine Probleme sie zu entziffern: er soll, wenn die Sonne dicht über den Palmen steht, einen Speer auf das Boot werfen. Er versteht nicht genau warum, denkt aber, dass dies vielleicht so Sitte ist, wo die hellhäutigen Mädchen wohnen. Vielleicht muss ein Mann dort ja auf diese Art beweisen, dass er in der Lage ist, mit einem Speer umzugehen? Also macht er das genauso, wie es auf der Karte steht.
Das Mädchen erschreckt sich fast zu Tode über den Speer, wird aber nicht getroffen. Sie erinnert sich an die Worte ihrer Erzieherin, dass nämlich die Menschen manchmal merkwürdige Gebräuche pflegen. Sie glaubt, dass der Speerwurf nicht feindselig sein soll und vermutet, dass es eine Art Sitte auf dieser Insel sein könnte. Vielleicht wollen die Eingeborenen so zeigen: "Schau, ich habe keinen Speer mehr! Ich bin ohne Waffen und friedlich!"
Schließlich werden sie also gute Freunde und lernen ihre Sprachen.
Was ich an der Geschichte mag ist, dass der glückliche Ausgang allein an der Einstellung der beiden Charaktere liegt. Beide hätten schließlich Grund genug gehabt, sich zu misstrauen.
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